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Ausbildung im Wandel

  • Situationsbeschreibung

    Die Arbeit von Ausbilderinnen und Ausbildern wurde schon immer durch äußere Einflüsse verändert. Sie haben dies in den vergangenen Jahren vermutlich auch wahrgenommen. Zu den stärksten Einflussfaktoren gehörten zuletzt die abnehmenden Bewerberzahlen bedingt durch den demografischen Wandel, aber auch Veränderungen bei den Auszubildenden selbst, die deutlich unterschiedlicher sind, als sie es vielleicht früher waren. Jeder Azubi muss in seinem Lern- und Arbeitsverhalten als Individuum betrachtet werden. All dies betrifft Sie als Ausbilder/-in, denn Sie müssen Ihre Rolle ständig an die veränderten Bedingungen anpassen.

    Neben den genannten Punkten gibt es einen weiteren Prozess, der nicht nur unseren Ausbildungsalltag, sondern unser Leben generell stark beeinflusst: die Digitalisierung. Kaum eine Entwicklung wirkt sich in so vielfältiger Form auf unser Privat-, aber auch unser Berufsleben aus.

  • Wie verändert die Digitalisierung meine Rolle als Ausbilder/-in?

    Auch Ausbilderinnen und Ausbilder können sich diesem Wandel nicht entziehen. Die Digitalisierung betrifft sie auf ganz verschieden Ebenen, in unterschiedlicher Ausprägung und in positiven wie negativen Zusammenhängen. So ist etwa das digitale Berichtsheft eine Entwicklung, die eine Erleichterung der Ausbildungsarbeit mit sich bringt und gerne angenommen wird. Smartphones am Arbeitsplatz hingegen nehmen viele Ausbilder/-innen als Ärgernis wahr und manche stellen sich den Entwicklungen der Digitalisierung völlig entgegen und blenden sie aus. Diese Haltung – oder auch ein vollständiges Verbot digitaler Medien am Arbeitsplatz – ist jedoch nicht zielführend und langfristig auch nicht haltbar.

    Ein Wandel Ihrer Rolle als Ausbilder/-in wird so oder so eintreten. Sie können aber bestimmen, wo Sie in diesem Wandel stehen. Eine vollständige Ablehnung wird Sie in Ihrer Rolle lediglich von der Realität Ihrer Auszubildenden entfernen. Denn diese leben und lernen längst digital und mit digitalen Hilfsmitteln.

    Mit diesem veränderten Lernen muss auch ein Wandel Ihrer Lehrmethoden einhergehen. Mit Sicherheit haben Sie selbst auch schon eine Veränderung in der eigenen Arbeit gespürt. Arbeitsprozesse haben sich vielleicht beschleunigt oder sind weggefallen. Sie arbeiten mit neuen Programmen, neuen Maschinen oder eine Maschine hat Teile Ihrer Arbeit übernommen und Sie bedienen die Maschine jetzt nur noch. Solche Veränderungsprozesse werden in Zukunft zunehmen. Sie und Ihre Auszubildenden und künftigen Mitarbeiter/-innen müssen lernen, sich selbstständig an neue Begebenheiten anzupassen.

    Hier setzt auch der Wandel Ihrer Rolle als Ausbilder/-in an. Vorführen und nachmachen ist nicht mehr die Art des Lernens, die Auszubildende auf die Arbeitswelt vorbereitet. Vielmehr müssen Sie zum Lernbegleiter oder zur Lernbegleiterin werden und zum selbstständigen Lernen anleiten. Nur so können Auszubildende als Fachkräfte von morgen mit der immer schnelleren (technologischen) Entwicklung in der Arbeitswelt mithalten. Sie als Ausbildungsverantwortliche/-r werden also Veränderungen in der Ausbildungsarbeit vornehmen und steuern müssen und Sie werden vor allem nicht ohne Kompromisse auskommen.

  • Wie gehe ich mit diesen Veränderungen um (wenn ich nicht mit digitalen Medien aufgewachsen bin?)

    Wie können Sie diese Anpassungen am besten umsetzen, insbesondere als Nicht-„Digital Native“, wie heute junge Menschen genannt werden, die mit dem Internet und dem Smartphone aufgewachsen sind und ein Leben ohne digitale Medien nicht mehr kennen. Wichtig ist zunächst, dass Sie nicht von sich selbst erwarten, Experte oder Expertin auf diesem Gebiet zu sein. Das ist einer der Vorteile, der mit Ihrer Rollenentwicklung hin zum/zur Lernbegleiter/-in einhergeht. Sie müssen und sollen ja nicht mehr alles vormachen.

    Setzen Sie auf die Kompetenzen der Auszubildenden und passen Sie ggf. Ihre Aufgabenstellungen an. Während Sie in der Vergangenheit zum Beispiel einen Geschäftsvorgang erklärt haben oder erläutert, wie ein bestimmtes Bauteil zusammengesetzt wird, um dann Übungsaufgaben zu stellen, können Sie nun einfach das Ergebnis vorgeben. Den Weg dorthin sollen die Auszubildenden selbst finden, während Sie ihnen begleitend zur Seite stehen.

    Dass Sie Ihre Lehrmethoden umstellen, muss nicht zwangsläufig heißen, dass Sie Ihre Inhalte nur noch mit digitalen Medien vermitteln. Digitale Medien können hier sicherlich unterstützen, achten Sie aber darauf, dass Sie lediglich die Hilfsmittel in Anspruch nehmen, bei deren Einsatz Sie sich wohlfühlen (wie Sie digitale Medien sinnvoll in die Ausbildung integrieren können, erfahren Sie im Wissensbaustein „Digitale Medien in der Ausbildung“).

  • Welche Chancen bietet mir die Digitalisierung?

    Die sich durch die Digitalisierung ergebenden Chancen sind vielfältig, insbesondere was die Ausbildungsarbeit angeht. Für Ausbilderinnen und Ausbilder liegt die größte Chance in einer Zeitersparnis, die zum Beispiel mehr Raum für die individuelle Betreuung und die Stärkung der personellen Kompetenzen lässt. Sie kann aber auch die Individualität der Auszubildenden fördern, indem Sie Lerninhalte orts- und personenungebunden zur Verfügung stellen. Eine einfache Lehrunterweisung können Sie etwa auf Video festhalten. Ein solches Format ermöglicht es jedem, das Video noch ein zweites oder drittes Mal abzuspielen, ohne dass Sie als Ausbilder/-in direkt mit einbezogen werden. So können Auszubildende in der für sie passenden Geschwindigkeit lernen.

    Sie haben aber auch die Möglichkeit, Ihre Auszubildenden selbst einen Lehrfilm erstellen zu lassen. Dadurch fördern Sie das eigenständige Arbeiten, die Kreativität, die Kommunikation untereinander und helfen den Auszubildenden, sich selbstständig und spielerisch mit Lehrinhalten auseinanderzusetzen. Das Ergebnis, in einem Video festgehalten, können Sie nachher in Ruhe kontrollieren und Verbesserungen einbringen. Dieses Beispiel macht zweierlei deutlich: zum einen die Veränderung Ihrer Rolle vom „Vormacher“ zum Lernbegleiter, aber auch die zeitliche Entlastung, die Ihnen digitale Medien in Ihrer Ausbildungsarbeit bringen können.

  • Welche Unterstützungs- und oder Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

    • Wenn Sie auf der Suche nach Projekten und Erfahrungen anderer Unternehmen sind, wenden Sie sich an Ihre zuständige Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer. Dort hilft man Ihnen gerne weiter. Unter Umständen bietet Ihre IHK oder HWK auch bereits erste Workshops zum Thema Digitalisierung in der Ausbildung an.
    • Mittlerweile gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich speziell in diesem Bereich weiterzubilden. Hierbei handelt es sich meist um kostenpflichtige Angebote. So bietet das Unternehmen „Management Circle“ eine Weiterbildung zum „Leiter betriebliche Ausbildung 4.0“ an. Weitere Weiterbildungsmöglichkeiten finden Sie im Weiterbildungs-Informations-System (WIS) der Industrie- und Handelskammern unter www.wis.ihk.de.
    • Holen Sie sich auch Erfahrungen aus anderen Unternehmen und Projekten ein. Eine Übersicht bundesweiter Projekte finden Sie in der Veröffentlichung „Ausbildung im digitalen Wandel – Strategien für kleine und mittlere Unternehmen“, die auf der Website des BMBF-Projekts „Jobstarter“ bestellt oder heruntergeladen werden kann.
    • Einen speziellen kostenfreien Podcast zum Thema „Ausbilder 4.0“ gibt es unter https://ausbilder-vier-punkt-null.podigee.io.
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