"Wir sind auf dem richtigen Weg"

Auf einen Blick

Auf einen Blick
Unternehmen: Karle + Jung, Ötigheim
Website: www.karle-jung.de
Mitarbeiter: 37
Berufsschule: Carl-Benz-Schule, Gaggenau
Website: www.carl-benz-schule-gaggenau.de
Lehrer: 50, Schüler: 935


Praxisbeispiel

Die Carl-Benz-Schule (CBS) in Gaggenau, eine Berufliche Schule des Landkreises Rastatt im westlichen Baden-Württemberg, bietet neben der beruflichen Erstausbildung auch weiterführende Schulabschlüsse wie die Fachhochschulreife an. "Die Carl-Benz-Schule soll als eine innovationsfreudige und flexible Schule gelten, die ihren Schülern zukunftsweisende Bildungsangebote und die vielfältigen Möglichkeiten einer lebendigen Schule bereitstellt", heißt es im Leitbild der CBS, "dafür pflegt sie enge Kontakte mit den anderen am Berufsbildungsprozess Beteiligten."

Zum Beispiel mit dem Werkzeug- und Maschinenbauunternehmen Karle + Jung GmbH im benachbarten Ötigheim. "Diese Kooperation besteht seit etwa drei Jahren", sagt CBS-Lehrer Markus Schiel. Einmal im Jahr nämlich gibt es eine Veranstaltung, die sich "Schule und Betrieb" nennt und es lokalen Firmen ermöglicht, die Carl-Benz-Schule und ihr Kollegium kennenzulernen, schon bestehende Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. "Und in diesem Rahmen ist dann auch der Kontakt zwischen Herrn Jung und mir entstanden."

Karle + Jung-Geschäftsführer Matthias Jung schwärmt von dem sehr guten Verhältnis zu den Lehrern und der Schulleitung: "Speziell durch das Engagement einzelner Lehrer war es zum Beispiel möglich, zusätzliche Schulungen bei uns im Hause durchzuführen." Damit konnten seine Auszubildenden ihre Kenntnisse in Themenbereichen, die im regulären Lehrplan zu knapp angesetzt sind, adäquat vertiefen. "Im Gegenzug", sagt Matthias Jung, "unterstützen wir die Schule bei konkretem Bedarf mit technischer Ausrüstung, um den Unterricht modern und praxisbezogen halten zu können." Jungs Firma bildet derzeit fünf Azubis aus: einen zum Produktdesigner, zwei zu Industriemechanikern, einen zum Werkzeug- und einen zum Zerspanungsmechaniker.

"Wir kooperieren fast mit allen Betrieben, die bei uns Azubis haben", sagt CBS-Leiter Volker Bachura. Vertragliche Partnerschaften gibt es über die IHK-Initiative "Wirtschaft macht Schule" mit dem Werk Gaggenau der Daimler AG Mercedes-Mercedes Benz und dem Rastatter Medizintechnikhersteller Maquet GmbH & Co KG, freie Kooperationen mit Ausbildungsbetrieben wie Karle + Jung. "Durch die enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen versuchen wir, Problemstellungen aus den Betrieben zu übernehmen und die bei uns zum Unterrichtsgegenstand zu machen", so Volker Bachura. Und Kollege Markus Schiel ergänzt: "Für die Ausbilder in den Betrieben ist es wichtig, die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Schule zu kennen - wie es für mich als Lehrkraft wichtig ist, über die Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Betriebe Bescheid zu wissen." Nur so könne er eine gute Arbeit machen.

Ein solches Engagement kommt in den Unternehmen gut an. "Wenn Lehrer und Schüler motiviert sind, können Spitzenleistungen erzielt werden", weiß Karle + Jung-Geschäftsführer Matthias Jung. "Wir hatten in den vergangenen Jahren einige herausragende Jugendliche, die mit den normalen Ausbildungsinhalten nicht zufrieden waren und mehr wissen und immer noch besser werden wollten – für solche Anforderungen ist die Zusammenarbeit mit der Carl-Benz-Schule ideal." Ihn persönlich mache es sehr stolz, "wenn sich unsere Auszubildenden über das normale Maß des Lehr- und Ausbildungsplans hinaus engagieren und aus eigenem Antrieb Themen vertiefen und Aufgaben einfach besser lösen wollen." Davon profitiere selbstverständlich auch sein Unternehmen: "Derart gut ausgebildete Fachkräfte übernehmen wir nach der Ausbildung natürlich in feste Arbeitsverhältnisse."

Geschätzt werden die Kooperationen zwischen Schule und Betrieben vor allem auch von den Auszubildenden. "Die finden es gut, wenn wir als Schule ihren Lernablauf anpassen an ihre Möglichkeiten und Bedürfnisse", sagt Lehrer Markus Schiel. Dazu gehört, dass er bei Bedarf auch mal Extra-Unterricht gibt oder Azubis intensiver auf Prüfungen vorbereitet. Und wenn er vor Ort im Ausbildungsbetrieb solche Prüflinge noch einmal nachquaIifizieren kann, helfe das dem Unterrichtsklima in der Schule: "Wenn ich Schüler habe, die mich schätzen und sich auf meinen Unterricht freuen, reißen die den gesamten Rest mit." In Absprache mit den Firmen findet Unterricht vielfach in Blöcken statt. "In diesem Blockunterricht komprimieren wir die Zeit und machen das so, dass wir die Azubis 14 Tage im Block haben, damit sie dann wieder vier Wochen nur im Betrieb sind", sagt Volker Bachura, "so lässt sich eine viel bessere pädagogische Arbeit leisten, was die Schüler durchaus anerkennen."

Durch die enge Zusammenarbeit von Ausbildern und Lehrern lassen sich zudem Probleme viel leichter lösen. "Wer als Schüler ein Problem im Betrieb hat, weiß, dass er sich jederzeit damit an mich wenden kann", sagt Markus Schiel, "und umgekehrt ist es natürlich genauso." Dann setze man sich ganz unkompliziert zu dritt zusammen und behebe das Problem - "weil wir uns persönlich kennen, läuft das nicht nur über die Fachschiene, sondern auch über die emotionale Schiene". Auch wenn trotz der Kooperation Ausbildungsabbrüche nicht völlig auszuschließen seien, könne die Abbruchquote durch ständigen Dialog und intensive Kontakte zumindest reduziert werden - "da haben wir beste Erfahrungen gemacht". Dem stimmt auch Karle + Jung-Geschäftsführer Matthias Jung zu: "Wenn Probleme auftauchen, können sie durch die direkte Zusammenarbeit schnell und effizient gelöst werden."

Für Jung sollte das erklärte Ziel einer Kooperation von Schule und Firma die optimale Qualifikation von Auszubildenden sowie der Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis sein: "Wer das verstanden hat, kann in den Berufsschulen definitiv gute und zuverlässige Partner finden." Dass seine Azubis durchweg mit überdurchschnittlichen und teils hervorragenden Ergebnissen ihre Ausbildung abschließen, spreche eindeutig für Motivation und Zufriedenheit. "Einen großen Teil", so Matthias Jung, "trage selbstverständlich die Carl-Benz-Schule bei, und die rege Beteiligung im Rahmen dieser Zusammenarbeit zeigt mir eindeutig, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

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