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Geringe Lern- und Leistungsmotivation - leistungsstarke Jugendliche

  • Woran erkenne ich, dass mein Azubi nicht motiviert ist?

    Zunächst die gute Nachricht aus der Praxis: Die meisten Abiturientinnen und Abiturienten oder Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher, die sich für eine Berufsausbildung entschieden haben, sind äußerst motiviert. Sie sehen die Chancen für eine Neuorientierung und die Perspektiven, die ihnen ein Ausbildungsplatz bietet.

    Doch kann es passieren, dass im Laufe der Ausbildung die Motivation nachlässt. Geringe Lern- und Leistungsmotivation erkennt man schnell: Jeder von Ihnen kennt die Situation, dass Ihr Azubi lustlos ist, nicht die erforderlichen Ergebnisse liefert, sich gerne mit allem anderen, nur nicht mit der Arbeit beschäftigt oder auf Arbeitsaufträge abweisend reagiert. Aber: All dies muss nicht zwingend seinen Grund in der vermeintlichen "Faulheit" des Azubis haben – hinter solchem Verhalten können auch ganz andere Ursachen stecken.

  • Warum strengt sich mein Azubi nicht genug an? Mögliche Ursachen

    Geringe Lern- und Leistungsmotivation 3

    © contrastwerkstatt / Fotolia

    Es kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, wenn Ihr Azubi nicht die erwartete Leistung oder Lernbereitschaft zeigt. Bitte beachten Sie, dass die folgende Auflistung nur eine beispielhafte Auswahl darstellen kann:

    • Es ist dem Azubi gar nicht bewusst, dass mehr Leistung von ihm/ihr erwartet wird und er/sie meint, eine Ausbildung ohne große Anstrengungen meistern zu können.
    • Der Ausbildungsberuf entspricht nicht den Vorstellungen des Azubis – daher fehlt der Spaß an der Arbeit.
    • Es ist Ihrem Azubi nicht klar, was Sie genau erwarten, weil Qualitäts- oder Quantitätsanforderungen nicht eindeutig definiert sind.
    • Die Anforderungen sind zu hoch oder zu niedrig. Überschätzen Sie leistungsstarke Azubis, weil sie zu viel theoretische Kenntnisse und Erfahrung voraussetzen? Oder behandeln Sie sie wie alle anderen und berücksichtigen ihre Potenziale nicht?
    • Ihr Azubi strebt eine Verkürzung der Ausbildung an, hat aber den Eindruck, dass dieses Ziel vom Vorgesetzten nicht verfolgt wird.
    • Ihr Azubi wird nicht genügend wertgeschätzt und zu oft kritisiert.
    • Ihr Azubi hat Angst, sich zu blamieren, oder ist verunsichert, weil zu hohe Erwartungen an ihn/sie gestellt wurden
      (Verunsicherung von Jugendlichen).
    • Ihr Azubi ist ein Lerntyp, der mehr selbst machen und entscheiden will und zu viele Unterweisungen als "Gängelung" empfindet.
    • Es fehlt ein fachliches oder menschliches Vorbild, auf das sich Ihr Azubi beziehen kann.
    • Ihr Azubi ist auf sich beziehungsweise das, was er oder sie geleistet oder bereits durchgestanden hat stolz und eventuell der Meinung, dass das reicht.
    • Ihr Azubi kann eine psychische Verstimmung bis hin zur Depression haben, die nicht unbedingt etwas mit der Arbeitssituation zu tun haben muss.
  • Was kann ich tun, um meine Auszubildenden zu motivieren?

    Geringe Lern- und Leistungsmotivation 1

    © Dirima / Fotolia

    Es gibt einige Möglichkeiten, Auszubildende zu mehr Lern- und Leitungsbereitschaft zu motivieren. Finden Sie heraus, welche Motivationsart am besten ankommt. Sind Jugendliche intrinsisch motiviert, lernen sie aus Interesse, Freude und persönlichem Bedürfnis heraus. Sind sie extrinsisch motiviert, geht es ihnen darum, beispielsweise gute Noten oder Lob und Anerkennung zu erlangen.

    Azubis brauchen klare Ziele, die positive Emotionen hervorrufen und erreichbar sein müssen. Arbeit macht – wie alles im Leben – viel mehr Spaß, wenn man den persönlichen Nutzen erkennt.

    Ein anderer Motivationsfaktor ist die Ausgestaltung der Ausbildungseinheiten: Wir Ausbilder und Ausbilderinnen kennen alle die Vier-Stufen-Methode. Die Erfahrung zeigt, dass die Stufe 1 im Bereich "Vorbereitung des Azubis" (Befangenheit nehmen, Kontakt herstellen, Interesse wecken, Zusammenhänge darstellen) oft zu kurz kommt. Dieser Bereich ist aber genau der, mit dem man junge Menschen "packen" und begeistern kann: Wer Lust auf die bevorstehende Tätigkeit hat, wird keine geringe Lern- oder Leistungsmotivation haben! Achten Sie aber auch darauf, diesen Bereich nicht nur bei der ersten Unterweisung, sondern auch bei den Trainingseinheiten immer wieder zu aktivieren. Handeln Sie nach dem Grundsatz, die Auszubildenden da abzuholen, wo sie stehen.

    Versuchen Sie stets, die Ausbildung lebendig und aktiv zu gestalten. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln. Die bekannteste Methode ist der Frontalunterricht. Dessen Nachteil ist, dass die Azubis nicht aktiv in die Wissensvermittlung eingebunden sind. Im Betrieb ist dieser Unterricht mit einem langen Monolog zu vergleichen. Versuchen Sie deshalb häufiger, Ausbildungseinheiten zu wählen, die Ihre Azubis aktiv mit einbinden, beispielsweise durch entwickelnde Lehrgespräche, Gruppenarbeiten, die Projektmethode oder selbst abgewickelte Kundenaufträge.

    Nutzen Sie die Potenziale der leistungsstarken Azubis und Studienabbrecher/-innen. Übertragen Sie ihnen angemessene Sonderaufgaben, delegieren Sie ihnen Unterstützungsmaßnahmen für schwächere Azubis, übergeben Sie ihnen Unterweisungsteile und Ausbildungsthemen, die sie aufgrund ihrer Reife und Vorerfahrung gut vermitteln können. Diese Maßnahmen können sehr motivierend sein und bringen (auch für die anderen Azubis) Abwechslung in den Ausbildungsalltag.

    Neben der lernförderlichen Gestaltung der Ausbildungseinheiten gibt es aber auch grundsätzliche Möglichkeiten, Ihre Azubis zu mehr Lernbereitschaft und Leistung zu motivieren: "Man muss selbst brennen, um andere zu entzünden." Denn wer begeistert sich schon für etwas, was lust- und leidenschaftslos vermittelt wurde?

    • Zeigen Sie doch einfach einmal selbst mehr Leidenschaft. Berichten Sie von spannenden Seminaren, Tätigkeiten oder Fällen aus der Praxis (gerne auch über Fälle, die einmal "schiefgegangen" sind und was Sie getan haben, um alles noch zu "retten").
    • Überdenken Sie auch immer wieder kritisch Ihren Unterweisungs- und Führungsstil. Ist es vielleicht notwendig, einem leistungsstarken Azubi mehr Freiraum, Gestaltungs- und Handlungsspielraum zu geben? Beziehen Sie die Erfahrungen des Azubis in ausreichendem Maße mit in die Arbeit ein? Gehen Sie dem Alter entsprechend mit ihm/ihr um?
    • Vereinbaren Sie im Einzelgespräch Ziele mit Ihrem Azubi. Fragen Sie: "Welche Herausforderung oder Unterstützung brauchen Sie?" Vereinbaren Sie dabei aber nicht zu große Ziele, sondern besser zwei oder drei kleinere Ziele mit einer Mischung aus leichten und schwierigen Aufgaben. Dadurch können Sie die Möglichkeiten und Grenzen des Azubis besser einschätzen.
      Siehe dazu auch die Wissensbausteine "Zielvereinbarung" und "Feedbackgespräche".
    • Förderlich ist auch, in der Gemeinschaft Gruppenziele zu erarbeiten, mit denen sich alle identifizieren können und die die Integration leistungsstarker Azubis unterstützen. Dabei soll es nicht ausschließlich um fachliche Ziele gehen, sondern zum Beispiel um das gemeinsame Erarbeiten von Regeln zur Erleichterung des Arbeitsalltags. Dies stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Teamgeist. Ein weiterer Vorteil: Azubis halten sich eher an Regeln, die sie selbst mitgestaltet haben. Wichtig ist dabei, alle Azubis mit einzubeziehen.
    • Theoretische und/oder fachliche Paten und Patinnen im Betrieb können die Azubis individuell unterstützen.
    • Schaffen Sie eine angenehme Lernatmosphäre, zum Beispiel durch frische Luft, einen ergonomischen Arbeitsplatz und genügend Raum, um sich zu bewegen.

    Klar ist jedoch: Sie können die Lern- und Leistungsmotivation Ihres Azubis nur in Grenzen beeinflussen. Ändert sich trotz aller Bemühungen Ihrerseits nichts, kann die Ursache vielleicht auch eine ganz andere sein. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Azubi und beobachten Sie ihn oder sie genau. Vielleicht können Sie sich gemeinsam der Ursache nähern und Abhilfe schaffen. Scheuen Sie sich nicht, auch externe Unterstützung einzubeziehen.

  • Hier finde ich Hilfe: Beratungs- und Unterstützungsangebote

    • Wenden Sie sich an die Ausbildungsberatung für Studienabbrecher/-innen der zuständigen Kammer
    • Die Kooperation mit der Berufsschule (Fach-, Klassen- oder Vertrauenslehrerinnen und -lehrer) ist ebenfalls sinnvoll. (Zusammenarbeit mit der Berufsschule)
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