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Clique bei geflüchteten Azubis

  • Die Clique als wichtiger Bestandteil in der Entwicklung junger Menschen

    Clique 1

    © Christian Schwier/ Fotolia

    Die Gruppe der Gleichaltrigen ist für junge Menschen von 13 bis etwa 18 Jahren die wichtigste Bezugsgruppe. Waren es vorher die Eltern, Geschwister oder andere Familienmitglieder, die den Jugendlichen Orientierung gegeben haben, so übernimmt diese Aufgabe nun die Gruppe der Gleichaltrigen. In der Pubertät beginnen Jugendliche massiv, sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen und vieles kritisch zu hinterfragen, sich selbst eingeschlossen. Dies geschieht mitunter in radikaler Abgrenzung zum Elternhaus. Für die Jugendlichen stellt die Gruppe der Gleichaltrigen - auch -Peergroup- genannt - dann den zentralen Bezugspunkt dar, die als unmittelbare Freundesclique oftmals sehr wichtig in ihrem Leben ist.

    In einer Clique gehen Jugendliche nicht nur gemeinsamen Interessen oder Hobbys nach. Sie ist auch ein wichtiger -Übungsraum- für das soziale Miteinander im späteren Leben. Es werden gemeinsame Regeln vereinbart und deren Einhaltung überprüft, eine Hierarchie bildet sich aus.

    Die Freundesclique stellt für den jungen Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden also eine wichtige Station dar. Außerhalb des Elternhauses lernen sie, sich zu Themen wie Schule, Berufsplanung, aber auch Sexualität auszutauschen, die eigene Meinung zu vertreten, sich gegen andere zu behaupten oder im Team ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

  • Bedeutung der Clique für geflüchtete Jugendliche

    Für geflüchtete junge Menschen, die meist ohne Familienangehörige oder Freunde nach Deutschland gekommen sind, ist der Aufbau einer neuen Clique sehr wichtig. Die ersten Kontakte werden zunächst mit gleichaltrigen Landsleuten oder anderen Flüchtlingen mit ähnlichem kulturellem Hintergrund geknüpft. Je länger geflüchtete junge Menschen in Deutschland sind, ergeben sich auch Kontakte zu gleichaltrigen Deutschen. In diesem Fall ist die Clique ein wesentlicher Schritt zur Integration, weil kulturelle Gemeinsamkeiten und Interessen gefunden werden. Unterschiede werden oft überwunden oder einfach akzeptiert und treten hinter der persönlichen Beziehung zurück.

  • Wann kann eine Clique problematisch sein?

    Mitglied in einer Clique zu sein, kann aber auch negative Entwicklungen mit sich bringen. Leben die Jugendlichen beispielsweise in einem sozialen Brennpunkt mit wenigen altersgerechten Angeboten oder bestehen aufgrund der schlechten Infrastruktur keine Möglichkeiten, die Orte zu wechseln, so dominiert bei vielen Cliquen der Wunsch, einfach nur -abzuhängen- und nichts zu tun. An den gemeinsamen Treffpunkten im Viertel wird Musik gehört und -gequatscht-, man lässt sich treiben und will den Stress des Alltags, zum Beispiel im Wohnheim oder in der Schule, einfach vergessen.

    Wenn Jugendliche sich in der Clique mal danebenbenehmen, sollte das kein Anlass sein, den Teufel an die Wand zu malen: Schließlich suchen Jugendliche im Allgemeinen - gleich, ob damals oder heute, welcher Herkunft oder welchen Geschlechts - die Abgrenzung zur Erwachsenenwelt und legen sich deshalb gerne einmal mit dieser an.

    Gerade bei geflüchteten Jugendlichen, die sich als sozial benachteiligt wahrnehmen, besteht jedoch die Gefahr, dass sie kritische Verhaltensweisen entwickeln, weil sie sich gegenüber anderen im Hintertreffen fühlen. Wer schon in der Schule oder der Ausbildung Probleme hat und versagt, möchte wenigstens in der Freizeit stark und erfolgreich sein. Auch wenn man dadurch vielleicht gegen Regeln und Normen, schlimmstenfalls auch gegen Gesetze verstößt. Die Fluchterfahrung, die damit verbundenen (körperlichen) Auseinandersetzungen mit anderen, die (zwangsweise) Umgehung von Recht und Gesetz in Transitländern können zudem zu erhöhter Gewaltbereitschaft und emotionalem Kontrollverlust führen. Treten dann Situationen auf, in denen Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen und Dispositionen zusammentreffen und sie sich in der neuen Umgebung angegriffen oder ausgegrenzt fühlen, ist der Funke zur -Randale- schnell gelegt.

  • Worauf sollte mein Betrieb achten?

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    © iQoncept/ Fotolia

    Wenn jugendliche Flüchtlinge die Ausbildung in Ihrem Betrieb antreten, setzen Sie sich zu einem Gespräch zusammen und machen Sie sich ein Bild des Lebensumfelds der Azubis. Wo und wie wohnen sie? Mit wem verbringen sie die Freizeit? Haben sie Kontakte zur Familie in der Heimat? Gehen Sie dabei immer respektvoll mit Ihren Azubis um und respektieren Sie ihre Privatsphäre. Wenn im Laufe der Ausbildung ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihren Azubis entstanden ist, werden sie sich bei Problemen und Schwierigkeiten eher offen und gesprächsbereit zeigen.

    Liegt Ihr Betrieb in einem ländlichen Gebiet, werden Sie zumeist vom lokalen Umfeld erfahren, falls Ihr Azubi und die Clique in Schwierigkeiten geraten. Grundsätzlich sollten Sie Ihrem Azubi viele Möglichkeiten bieten, sich positiv und erfolgreich in der Ausbildung zu erleben. Sprechen Sie auch bei kleinen Arbeiten, die gut ausgeführt wurden, ein Lob aus. Vermitteln Sie das Gefühl, für den Betrieb wichtig und nicht der -Stift- zu sein, der mehr Last als Nutzen bringt. Durch die Anerkennung im Beruf wird das Selbstvertrauen gestärkt. Wichtig ist auch ein positiver zwischenmenschlicher Umgang im Betrieb: Wenn sich Ihre Mitarbeiter/-innen untereinander gut verstehen und auch gemeinsam etwas unternehmen, etwa nach Arbeitsende oder bei Ausflügen, können Sie Ihre Auszubildenden einbinden und ihnen so neue, bestärkende soziale Kontakte ermöglichen (siehe dazu die Wissensbausteine -Willkommenskultur im Betrieb-, -Verunsicherung geflüchteter Jugendlicher- und -Interkulturelle Konflikte bei geflüchteten Azubis-).

  • Was ist, wenn mein Azubi in einer kriminellen Clique ist?

    Sollte Ihr Azubi durch die Clique bereits in ernsthafte Schwierigkeiten gekommen sein, kann es nicht allein Ihre Aufgabe sein, den oder die Jugendliche auf den rechten Pfad zurückzuführen. Als Ausbilder/-in repräsentieren Sie aber einen wichtigen Lebensbereich. Daher ist es wichtig, dass Sie sich in diesem Fall gesprächsbereit zeigen, beispielsweise im Austausch mit Behörden wie Jugendamt oder Polizei. Wichtig sind auch der Kontakt und die Abstimmung mit den Erziehungsberechtigten (Eltern, Familienangehörige oder Vormund) bzw. (ehrenamtlichen) Betreuern und Betreuerinnen.

    In besonders extremen Fällen stehen Sie unter Umständen vor der Entscheidung, das Ausbildungsverhältnis auflösen zu müssen. Dies ist weder für Sie noch für Ihren Azubi eine einfache Situation. Ein allgemeingültiger Rat kann hier natürlich nicht ausgesprochen werden. Bedenken Sie jedoch, dass Ihre Entscheidung weitreichende Konsequenzen für den weiteren Werdegang Ihres Azubis nach sich ziehen und bestehende Probleme verschärfen kann. Geflüchteten Azubis, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen, können je nach Schwere der Strafe Haft, Nicht-Verlängerung der Aufenthaltsgestattung oder Abschiebung drohen.

    Nutzen Sie deshalb alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einer unterstützenden und produktiven Lösung. Achten Sie dabei auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Polizei, Betreuungspersonen, kommunaler Jugendhilfe und sozial-pädagogischen Unterstützern von Flüchtlingen in den Stadtverwaltungen und Gemeinden.

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