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Ausbildercoaching - Geflüchtete

  • Ich habe den Ausbilderschein. Brauche ich da wirklich noch mehr Kenntnisse?

    Stimmt: Mit der Ausbildereignungsprüfung und diversen Fortbildungen für Ausbildungspersonal haben Sie schon viel wichtiges Wissen für Ihre Tätigkeit gesammelt. Allerdings verlangt der betriebliche Alltag Ihnen auch einiges ab: Sie sind nicht nur für die Ausbildung verantwortlich, sondern haben daneben viele weitere Aufgaben. Da ist es eine große Herausforderung, sich in angemessenem Rahmen Zeit für die Auszubildenden mit Fluchthintergrund zu nehmen, die einen besonderen Förderbedarf haben. Dazu kommen noch ganz spezifische Probleme dieser Zielgruppe, die neu für Sie sind. Um mit eigenen Kräften zu haushalten, kann es sinnvoll sein, einen Berater oder Coach zurate zu ziehen.

  • Was heißt "Coaching"?

    Ausbildercoaching 1

    © airdone / Fotolia

    Der englische Begriff "to coach" bedeutet so viel wie "betreuen, trainieren". Er wurde im englischsprachigen Raum zunächst vor allem im sportlichen Bereich verwendet, hat sich inzwischen jedoch für viele andere Trainings- und Beratungsaktivitäten eingebürgert. Auch Ausbilder/-innen werden häufig fälschlicherweise als Coachs bezeichnet, wenn es um ihre Rolle als Lernbegleiter/-innen für den Nachwuchs geht. Ein Coach muss jedoch eine entsprechend fundierte Ausbildung durchlaufen haben und zertifiziert sein.

    Ausbilder/-innen können sich bei ihrer Tätigkeit selbst auch coachen lassen. Wichtig beim Coaching ist, dass derjenige, der das Coaching in Anspruch nimmt, das Ziel der Reise selbst bestimmt. Der Coach steht lediglich bei der Wahl und Bewältigung des Weges helfend zur Seite.

    Zu Beginn des Coachings wird geklärt: Wohin soll die Reise gehen? Wo will ich hin? Die Ziele werden erreicht, indem der/die begleitete Ausbilder/-in die vereinbarten Schritte in die Praxis umsetzt. Entscheidend für die Wahl der Lösungsmöglichkeiten ist immer die Praxis: Wie ist die Ausbildung organisiert? Was braucht die Ausbildungsgruppe? Welche Möglichkeiten stehen dem/der Ausbilder/-in zur Verfügung? Das Coaching endet nach einem vereinbarten Zeitraum.

  • Wie kann so ein Coaching für Ausbilderinnen und Ausbilder aussehen?

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    © contrastwerkstatt / Fotolia

    Ausbildercoaching wird grundsätzlich so gestaltet, dass es zur Situation des Ausbilders oder der Ausbilderin und des Betriebs passt. Das folgende Beispiel zeigt einen möglichen Verlauf:

    Ein mittelständisches Unternehmen bildet seit der Unternehmensgründung erfolgreich für den eigenen Bedarf aus. In den vergangenen Jahren zeigen sich jedoch neue Herausforderungen: Die Ausbildungsgruppen werden heterogener (junge Migranten und Migrantinnen und Geflüchtete, schulisch schwächere Auszubildende und leistungsstarke Studienabbrecher/-innen treffen aufeinander), problematische Verhaltensweisen (Konzentrationsdefizite, Unpünktlichkeit, hohe Fehlzeiten), Ausbildungsabbrüche und fehlende Bewerbungen.

    Die beiden Geschäftsführer sind zugleich Ausbilder, haben aber nur wenig Zeit für das Thema Ausbildung. Deshalb buchen sie ein Ausbildercoaching. Als Auftrag wird formuliert:

    • Überarbeitung des betrieblichen Ausbildungskonzepts nach Förderungsbedarf der Zielgruppen
    • Einführung regelmäßiger Ausbildungs-/Feedbackgespräche mit den Auszubildenden; dafür Begleitung/Moderation durch den Coach

    Angelehnt an den zeitlichen Verlauf des Ausbildungsjahres wird u.a. die Einarbeitung Auszubildender mit Fluchthintergrund im Betrieb thematisiert. Aber auch die Förderung von Arbeitsmotivation, mögliche Unterstützung durch externe Beratungsstellen, die Gestaltung von Verbundausbildungen und das Ausbildungsmarketing sind Gegenstand des Coachings.

    Zu Beginn werden alle Themen als Problemlage formuliert, z.B.: "Unsere Flüchtlinge in Ausbildung brauchen sehr lange, um grundlegende betriebliche Abläufe zu durchschauen, und wissen zum Teil auch nach vier Monaten noch nicht, wie sie ihren Stundenzettel richtig ausfüllen." Anstatt auf diese Beobachtung mit einer Problemanalyse und eventuellen Schuldzuweisungen an Schule oder kulturellen Hintergrund zu reagieren, fragt der Coach, wie die Einarbeitung in die genannten Strukturen verläuft. Der Ausbilder antwortet: "Die kommen am ersten Tag um sieben Uhr an und fünf nach sieben fahren sie mit auf die Baustelle. Sie können ja fragen, wenn sie etwas nicht wissen!"

    Aufbauend auf der bisherigen Einarbeitungsstrategie wird eine neue Struktur für die Einarbeitung entwickelt, die den betrieblichen Erfordernissen und den Voraussetzungen der Auszubildenden entspricht. Dazu könnte z.B. ein Patenkonzept gehören, in dem Kollegen und Kolleginnen täglich gemeinsam mit dem/der Geflüchteten den Stundenzettel ausfüllt, bis er/sie dies alleine machen kann. Der Pate/die Patin ist auch dafür zuständig, Abläufe auf der Baustelle zu erklären. Diese Struktur wird zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres erprobt und mit kleinen Veränderungen in das betriebliche Ausbildungskonzept übernommen. Der/die Auszubildende gewinnt nun schneller Orientierung im Betrieb, kennt Ansprechpartner/-innen und Abläufe und kann sich besser einfinden.

    Eine weitere Problematik, die geschildert wird, ist der Rückgang der Bewerberzahlen. Für das kommende Ausbildungsjahr liegt im Frühsommer noch keine Bewerbung vor. Bei der Bearbeitung des Themas wird überlegt, welche Zielgruppe erreicht werden soll: "Leute, die Lust auf die Arbeit haben und ins Team passen; die Berufsschule sollten sie schaffen, sie müssen aber keine Überflieger sein. Bei entsprechender Eignung sind Flüchtlinge ebenfalls willkommen." Dann ist zu entscheiden, welche Kommunikationswege dafür genutzt werden können.

    Da der Betrieb regional verwurzelt ist und die Mitarbeiter/-innen des Handwerksunternehmens viele Kundenkontakte pflegen, entsteht die Idee, die Mitarbeiter/-innen und Auszubildenden der höheren Lehrjahre zu "Ausbildungsbotschaftern und Ausbildungsbotschafterinnen" zu machen. In einer Besprechung wird das Ziel, neue Auszubildende zu finden, mit der Bitte weitergegeben,  im privaten Bereich und bei Kundengesprächen auf die offenen Stellen hinzuweisen.

    Zusätzlich wird das Unternehmen mit den entsprechenden Bewerberprofilen auf das örtliche Jobcenter zugehen, um dort gezielt vermittelbare und interessierte Geflüchtete unter den Ausbildungssuchenden auswählen. Auf diese Weise können innerhalb weniger Wochen zwei geeignete Auszubildende akquiriert werden.

  • Welchen Nutzen habe ich von einem Coaching?

    Als Ausbilderin oder Ausbilder profitieren Sie auf verschiedene Weise vom Coaching:

    • Sie entwickeln das betriebliche Ausbildungskonzept oder ausgewählte Ausbildungsthemen weiter und bleiben so "up to date".
    • Sie haben eine/-n Berater/-in von außen, der oder die Ihnen neue Ideen vermittelt und Sie bei der Umsetzung unterstützt.
    • Sie haben feste Termine, die nicht so leicht im Arbeitsalltag untergehen.
    • Sie schaffen sich selbst Zeit und Raum, um über Ihre Tätigkeit als Ausbilder/-in nachzudenken und sich zu verbessern.
  • Hier finde ich Hilfe: Beratungs- und Unterstützungsangebote

    Job-Coaching für Ausbildungspersonal bieten viele Weiterbildungsanbieter, Trainer/-innen und Berater/-innen an. Schauen Sie genau hin, welche Ausbildung und Erfahrung die Coaches für Ihre konkrete Problemstellung haben. Es ist nicht überall Coaching drin, wo Coaching draufsteht – und nicht jeder Coach hat eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung.

    Andererseits kann auch ein/-e erfahrene/r Berater/-in Sie bei der Entwicklung von Problemlösungen und Konzepten bei der Integration Geflüchteter unterstützen. Zur Begleitung der Integration von Geflüchteten sind Ihre IHK oder HWK Ihre ersten Ansprechpartnerinnen. Sie haben in den vergangenen Jahren Erfahrungswissen und Personal für diese Aufgabe aufgebaut.

    Ausbildercoaching in der beschriebenen Form wird z.B. von der Evangelischen Jugendsozialarbeit in Westmittelfranken (EJSA) Rothenburg gGmbH (www.ejsa-rot.de) angeboten. Es ist kein flächendeckendes Angebot.

    Das Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum (SAZ, www.sazev.de) bietet seinen Partnerbetrieben sogenannte "Service-Ausbilder" an, die in den Betrieb kommen, um dort geeignete Arbeitsaufgaben für die Azubis zu identifizieren und die innerbetrieblichen Ausbilder/-innen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
    Ausbilder/-innen können sich natürlich auch untereinander coachen. In diese Richtung zielt das Internet-Forum www.foraus.de des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Dort können  Ausbilder/-innen (auch anonym) Fragen stellen und erhalten Antworten von Kollegen und Kolleginnen  aus anderen Betrieben.

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