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Versagensängste

  • Keine Angst vor der Angst!

    Versagensängste 1

    © auremar / Fotolia

    Die Fähigkeit, Angst zu empfinden, ist etwas sehr Wichtiges im Leben des Menschen. Stellen Sie sich vor, wir würden das Gefühl der Angst nicht kennen! Dann würden wir uns immer wieder sorglos in problematische und sogar lebensgefährliche Situationen begeben. Wie gut also, dass wir die Angst als Warnfunktion tief in uns verinnerlicht haben, die uns sagt: "Halt! Aufgepasst! Vorsicht, das Problem ist vielleicht zu groß, wenigstens für dich allein!"
    So gesehen ist die Angst für den Menschen eine „Entwicklungshilfe“.

    Mit Angst ist hier jedoch nicht immer gleich die Gefühlsreaktion auf eine lebensbedrohliche Situation gemeint, sondern vielmehr die vielen kleinen alltäglichen Situationen, in denen wir verunsichert sind. In einer solchen Situation durchsuchen wir schnell unser Gehirn nach Erfahrungen, die uns zur Bewältigung hilfreich sein könnten. Möglicherweise haben wir einmal jemanden beobachtet, der eine ähnliche Situation erfolgreich gelöst hat. Haben wir eine Lösung gefunden und alles ist wieder „im Lot“, stellt sich ein gutes Gefühl ein. Zudem haben wir einen weiteren Baustein erworben, um später auftretenden Verunsicherungen und Ängsten erfolgreich begegnen zu können. Aus guten Erfahrungen können Menschen die innere Haltung aufbauen, dass sie für schwierige Situationen eine gute Lösung finden werden - wenn nicht allein, dann mit der Unterstützung anderer.

  • Wenn die Angst so hilfreich ist, wie kommt es dann zu den „hinderlichen“ Versagensängsten?

    Lebensrealität ist aber auch, dass nicht jedes Kind und jeder Jugendliche nur mit zu bewältigenden Problemen zu tun hat und außerdem auch nicht immer eine Bezugsperson zur Stelle ist, die unterstützend beisteht.

    Wenn Ihr Azubi unter Versagensängsten leidet, liegt der Grund in Lebenserfahrungen, die einen negativen gefühlsmäßigen Kreislauf ausgelöst haben. Neue, verunsichernde, ja sogar beängstigende Aufgaben haben die Möglichkeiten des jungen Menschen, mit ihnen klarzukommen,  überschritten. Erschwerend kam unter Umständen hinzu, dass vertrauenswürdige Bezugspersonen gefehlt haben. Wenn sich solche Erfahrungen wiederholen, entwickelt sich daraus die Angst, immer aufs Neue zu versagen.

    Dazu ein Beispiel: Kim schreibt schlechte Noten in der Schule. Lehrer und Eltern machen ihm Vorwürfe, weil sie Besseres von ihm erwarten und weil er für seine Zukunft auch bessere Ergebnisse braucht. Er bekommt Angst vor jeder Prüfungssituation, da sie wieder schlecht für ihn ausgehen könnte. Nach einiger Zeit sagt er sich selbst: „Ich bin ein Versager.“ Wenn er nach dieser Überlegung wieder eine schlechte Note bekommt, ist er in gewisser Weise zufrieden, denn seine Selbsteinschätzung ("Ich bin ein Versager") deckt sich mit der Realität der schlechten Note. Wenn Kim erst einmal in diesen gefühlsmäßigen Teufelskreis hineingeraten ist, wird er unbewusst dafür sorgen, dass seine Angst immer wieder bestätigt wird. Denn dann passt sein Erleben wenigstens mit der „Wirklichkeit“ zusammen, auch wenn diese nicht schön ist. Sollte mal eine gute Note dazwischengeraten, wird diese nicht ausreichen, um ihn nachhaltig zu überzeugen, dass er kein Versager ist. Kim bleibt lieber auf der „sicheren Seite“ des Versagens, weil schlechte Ergebnisse dann keine Enttäuschung mehr bedeuten, sondern eine Bestätigung.

  • Was kann ich als Ausbilder tun, wenn mein Azubi sich mit Versagensängsten selbst „im Wege steht“?

    Versagungsängste 2

    © bluedesign / Fotolia

    Sie können Ihren Azubi einladen, ermutigen und inspirieren. Aber was heißt das für Sie konkret?

    Was ist mit „einladen“ gemeint?

    Um Ihren Azubi einzuladen, von Ihnen zu lernen, müssen Sie ihn oder sie mögen. Aus Ihrer täglichen Erfahrung wissen Sie, dass das nicht immer auf den ersten Blick gelingt. Häufig müssen Sie einen zweiten oder noch mehr Blicke aufwenden, damit Sie das Sympathische, Beachtenswerte an dem jungen Menschen entdecken. Wenn Sie ernsthaft suchen, werden Sie immer „fündig werden“. Erst wenn Ihr Azubi (insbesondere ein junger Mensch, der unter Versagensängsten leidet) spürt, dass Sie Sympathie empfinden (vielleicht nicht unbedingt zur Frisur, sondern zur Person …), ist Ihre Lern-"Einladung“ Erfolg versprechend. Der Begriff "einladen" ist bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass von beiden Seiten ein gutes Gefühl damit verbunden sein muss. Sie nehmen auch nur eine Einladung an, wenn Sie sich etwas Positives davon versprechen.

    Wie können Sie Ihren Azubi ermutigen?

    Zum Ermutigen brauchen Sie - Mut! Sie brauchen den Mut, daran zu glauben, dass sich Ihr Azubi ändern und Ängste überwinden kann. Wenn Sie selbst nicht an diese Veränderung glauben, können Sie einen jungen Menschen auch nicht ermutigen. Sie brauchen den Mut, ausdauernd Vertrauen zu haben. Ohne Ausdauer - nach dem Motto: "Ich habe jetzt alles versucht und bin am Ende mit meinem Latein" - werden Sie für Ihren Azubi wie die als zufällig empfundene gute Note sein: ein kurzer Funken, aber nicht nachhaltig genug, um die Selbsteinschätzung zu verändern.

    Wie können Sie Ihren Azubi inspirieren?

    Am besten können Sie Ihren Azubi inspirieren, wenn Sie selbst von der Arbeit, die Sie machen, begeistert sind. Zeigen Sie Ihre Freude darüber, Ihr Wissen über Ihren wunderbaren Beruf an Ihren Azubi vermitteln zu können.

    Wenn ein Auszubildender oder eine Auszubildende mit Versagensängsten die Chance erhält, bei jemanden in die Lehre zu gehen, der ausdrückt: „Du bist mir willkommen, Du hast mein nachhaltiges Vertrauen in Deine Lernfähigkeit und die Tätigkeit, die ich Dich lehre, macht Freude“, wird er oder sie Versagensängste irgendwann nicht mehr brauchen.

    Hilfreich ist es natürlich, wenn ein solch positives Klima im ganzen Betrieb herrscht und es nicht nur in der Ausbildung ein Nischendasein fristet. Für solche Unternehmen gibt es erfolgreiche Beispiele.

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