Negative Gruppendynamik

Auf einen Blick

Unternehmen: Klartext e.V.
Name: Manuela Siewert
Funktion: Ausbildungsleitung
Branche: Friseur
Mitarbeiter: 5, Auszubildende: 12-15


Praxisbeispiel

„Über einen Zeitraum von einigen Wochen stellten meine Kollegen und ich fest, dass einige Azubis sich seltsam verhielten, besonders unsere Azubis aus den unteren Lehrjahren. Einige schienen permanent Angst davor zu haben, wegen Nichtigkeiten fristlos gekündigt oder abgemahnt zu werden. Dies gipfelte schließlich darin, dass ein Mädchen in Tränen aufgelöst das Gespräch mit uns suchte. Auch sie hatte Angst vor einer Kündigung, obwohl sie tatsächlich nichts falsch gemacht hatte. Von ihr erfuhren wir auch, dass Anja (Name geändert), ein anderer Azubi, diese Gerüchte in die Welt gesetzt hatte, angeblich, weil sie selbst aus unerklärlichen Gründen eine Abmahnung erhalten hatte.

Wir entschlossen uns daraufhin, mit allen Azubis ein Gruppengespräch zu führen. Ich fragte die Gruppe dabei unter anderem, ob sie sich denn, basierend auf ihren bisherigen Erfahrungen in unserem Ausbildungsbetrieb, wirklich vorstellen könnten, von uns wegen eines einzelnen Zuspätkommens eine Abmahnung oder Kündigung zu erhalten. Schnell wurde klar, dass sich alle Azubis nach gründlicher Überlegung dies nicht vorstellen konnten. Daraufhin bat ich Anja, vor der Gruppe auch meine Version der „Geschichte“ erzählen zu dürfen, um den Konflikt zwischen Ihr und mir für alle sichtbar zu machen. Mir war es dabei wichtig zu klären, dass Vereinbarungen generell für alle unsere Azubis gelten. (Tatsächlich hatte sie zum wiederholten Mal einen halben Tag die Schule geschwänzt und dafür eine Abmahnung erhalten. In ihrer Version war davon nur einmalig eine Viertelstunde übrig geblieben, die sie zu spät in unseren Betrieb kam.)

Anja weigerte sich hartnäckig, mir die Erlaubnis zu erteilen. Auch nachdem andere Azubis von ihr verlangt hatten, mir zu erlauben, den Vorgang aus Ausbilder-Sicht zu schildern, gab sie ihre Einwilligung nicht. Obwohl ich somit den tatsächlichen Abmahnungsgrund nicht darlegen konnte, genügte Anjas Verweigerungshaltung, um den Rest der Gruppe davon zu überzeugen, dass sie nicht die volle Wahrheit gesagt hatte. Auf diese Weise gelang es uns, das Vertrauen der Gruppe zurückzugewinnen. Außerdem hatten wir so die Gelegenheit, den Azubis die Negativwirkung von Gerüchten vor Augen zu führen und sie zu ermutigen, in ähnlichen Situationen auf ihr Bauchgefühl zu hören und lieber ein klärendes Gespräch zu suchen, statt blind auf „Hörensagen“ zu vertrauen.“

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