Aggressives Verhalten

Auf einen Blick

Unternehmen: Klartext e.V.
Name: Manuela Siewert
Funktion: Ausbildungsleitung
Branche: Friseur
Mitarbeiter: 5, Auszubildende: 12-15


Praxisbeispiel

„Einer meiner Azubis im ersten Lehrjahr konnte sehr schlecht mit Stress umgehen. Ständig war er in Sorge, etwas falsch zu machen. Rückfragen und selbst freundlich gemeinte Hinweise von Kunden, Kollegen oder Meistern wurden von ihm ausschließlich als Kritik und schlimmer: als persönlicher Angriff verstanden. Eine typische Situation war z.B., wenn er beim Haare waschen auf die routinemäßige Frage an den Kunden „Ist die Wassertemperatur so angenehm?“ eine verneinende Antwort bekam. Schon eine neutrale Antwort wie „Ein bisschen wärmer bitte“ wurde von ihm als persönliche Kritik wahrgenommen.

Die Angst vor Kritik oder Zurückweisung schlug bei dem Jungen sehr schnell in Aggression um. Er wurde unruhig, begann zu schwitzen, war angespannt. Die Kunden begannen, sich unwohl zu fühlen, was in ihm natürlich weiteren Stress und Aggression auslöste. Ich wollte ihm unbedingt dabei helfen, mit diesem Druck umgehen zu lernen und seine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Ich schlug ihm vor, immer mit einem Handtuch über der Schulter zu arbeiten – bei einem Friseur nichts Ungewöhnliches. Für ihn sollte das Handtuch aber, für den Kunden nicht erkennbar, die Funktion des „Blitzableiters“ haben. Wann immer der junge Mann aggressive Gefühle und wachsenden Druck in sich aufsteigen fühlte, konnte er sich durch Zusammenpressen des Handtuchs oder durch sehr festes Abtrocknen der Hände Erleichterung erschaffen. Ich gab ihm sogar den Tipp, außerhalb des Salons ins Handtuch hineinzubeißen oder hineinzuschreien, wenn der Druck übermächtig wurde. Er nahm das Angebot dankend an. Innerhalb kürzester Zeit fühlte er sich im Salon wohler und für ihn wurde die Arbeit viel leichter.

In einem persönlichen Gespräch mit ihm stellte sich auch heraus, dass der Junge tatsächlich schon lange darunter litt, dass andere Menschen Angst vor ihm haben, eben weil er durch seine Körpersprache latent aggressiv/gewalttätig wirkte. Dies machte ihm sehr zu schaffen.

Ich schlug ihm vor, einen gemeinsamen Termin bei der Sozialpädagogin in der Berufsschule zu vereinbaren, um nach einem geeignetem Training im Bereich Stress oder Aggression Abbau zu suchen. Uns wurde bei dem offenen Gespräch sehr geholfen, und mein Azubi schafft die Ausbildung ohne größere Zwischenfälle.“

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